Certamen Carolinum - Gesichter des Certamen – Katharina Klein

Wenn ich mich heute an meiner Universität umschaue und dabei Studenten ganz unterschiedlicher Herkunft sehe und die verschiedensten Sprachen höre, wird mir immer wieder vor Augen geführt, wie einfach und gleichzeitig auch unfassbar wertvoll/wichtig das Erlernen fremder Sprachen heutzutage ist. Doch auch in der Antike war man sich der Bedeutung von Fremdsprachen bereits bewusst, wie ich bei meinen Vorbereitungen auf die Endrunde des Certamen 2013 feststellen konnte - damals beschäftigte ich mich mit einem sehr interessanten Text Ciceros, den er an seinen Sohn gerichtet hatte und in dem er diesem inständig ans Herz legte, sich auch dem Studium der griechischen Sprache zu widmen.

Ich hatte mich schon seit meinem Start am Gymnasium immer gerne mit Latein als Fremdsprache und mit der römischen Kultur auseinandergesetzt. Als meine Lateinlehrerin mich Mitte der zehnten Klasse im Dezember 2012 fragte, ob ich nicht bei einem Lateinwettbewerb mitmachen wolle, war ich daher sofort interessiert. So schrieb ich also eine Facharbeit über einen von Ciceros Texten, schrieb eine Übersetzungsklausur und fand mich Ende 2013 tatsächlich in der Endrunde des Certamen Carolinum wieder. Die Auswahlgespräche, der Vortrag sowie das anschließende Kolloquium waren komplett neue Situationen für mich und entsprechend nervös war ich vor dem Wochenende der Endrunde. Die Bedenken konnten allerdings schnell in den Wind geschlagen werden. Mehr noch: Spätestens am Ende der Preisverleihung hatte ich die Entscheidung getroffen, ein zweites Mal am Wettbewerb teilzunehmen. Also durchlief ich das ganze Prozedere erneut, schrieb eine zweite Facharbeit und eine Klausur und stellte mich der Jury im November 2014 mit einem vorbereiteten Vortrag zum Thema Abtreibung in der Antike.

Nach meinem Abitur 2015 habe ich dann allerdings eine ganz andere Richtung eingeschlagen und Mathematik studiert. Im August 2018 habe ich meinen Bachelor an der Radboud Universität in Nimwegen in den Niederlanden abgeschlossen (wohlgemerkt habe ich für dieses Studium eine neue Fremdsprache gelernt!) und im Anschluss ein längeres Praktikum in einer IT-Unternehmensberatung begonnen. Seit September 2019 studiere ich nun wieder in den Niederlanden, genauer gesagt in Utrecht, und werde mich nach meinem Master in Mathematical Sciences (mit Schwerpunkten in angewandter Mathematik und wissenschaftlichem Rechnen) vermutlich weiter in der Unternehmensberatung oder im IT-Umfeld umschauen.

Nichtsdestotrotz haben die lateinische Sprache an sich und ganz speziell auch der Certamen nach wie vor eine besondere Bedeutung für mich. Meine Teilnahme an diesem Wettbewerb hat mir viel gebracht, wobei das gewonnene Preisgeld und die Reise zum Certamen Ciceronianum in Italien im Mai 2014 nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Da an meiner ehemaligen Schule nach der zehnten Klasse kein Lateinkurs mehr zustande kommt, bot der Wettbewerb mir die Gelegenheit, mich auch weiterhin mit dieser schönen antiken Sprache und der faszinierenden Kultur der Römer zu beschäftigen. Als Q1-Oberstufenschülerin durfte ich mich außerdem nach der Endrunde 2013 für die Deutsche Schülerakademie bewerben und bin glücklicherweise angenommen worden, sodass ich im Sommer 2014 zwei Wochen lang mit etwa 60 anderen Jugendlichen an Projekten gearbeitet und meine Freizeit verbracht habe. Ich kann nur jedem empfehlen, der die Möglichkeit dazu hat, sich ebenfalls für eine Akademie zu bewerben. Ich habe viele wundervolle Erinnerungen an diese Zeit und habe noch immer regen Kontakt mit einer kleinen Gruppe von Leuten, die ich dort kennengelernt habe. Im Dezember 2019 haben wir zum mittlerweile sechsten Mal den Jahreswechsel gemeinsam gefeiert. Wie man sieht, sind durch die Akademie (und damit indirekt durch den Certamen!) Freundschaften fürs Leben entstanden, für die ich unendlich dankbar bin.

Seit Beginn meines Studiums finde ich leider nicht mehr genug Zeit, mich nebenher noch mit der Antike zu beschäftigen. Das ist schade, denn ich finde es spannend zu sehen, wie viele lateinische Texte sich in vielerlei Hinsicht auch auf unsere heutige Zeit beziehen lassen. Umso schöner finde ich, dass nach wie vor so viele junge Leute die Möglichkeit wahrnehmen, am Certamen teilzunehmen. Ich hoffe, dass ich euch mit meinem Text davon überzeugen konnte, dass sich die Teilnahme in jedem Fall lohnt!