Certamen Carolinum - Porträts

Certamen, der Wettstreit – die Teilnahme am Certamen Carolinum im Jahr 2013 hat diese Vokabel mit Leben gefüllt. Angetreten bin ich in Aachen damals mit einem Vortrag, der den Titel „Wahlkampftipps made by Cicero“ trug und sich am Beispiel der Bundestagswahl 2013 mit der Aktualität des commentariolum petitionis des Quintus Tullius Cicero befasste. Dieses Werk hatte er für seinen bekannten Bruder Marcus verfasst, als dieser 64 v. Chr. für das Amt des Konsuls in Rom kandidierte. Dass die dort zu findenden Ratschläge auch noch heute nicht bloß theoretisch nachvollziehbar sind, sondern tatsächlich noch praktisch umgesetzt werden, wollte ich in meinem Vortrag anhand einer Auswahl von Wahlplakaten aufzeigen.

Es ist mittlerweile vier Jahre her, dass ich am Certamen Carolinum 2014 teilgenommen habe, dennoch ist mir dieser Wettbewerb für alte Sprachen sehr positiv in Erinnerung geblieben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich in Aachen über das Thema „Der wahre Wert des Reisens“ anhand von Senecas Brief 28 seiner epistulae morales referiert und mich mit der Frage beschäftigt habe, inwiefern Reisen für Menschen eine Flucht vor den eigenen Fehlern darstellt. Hieran sieht man sehr schön, wie ich mich bereits zu dem Zeitpunkt auf mein Auslandsjahr in Neuseeland vorbereitet habe. Knappe acht Monate nach der Endrunde ging es nämlich für mich einmal ans andere Ende der Welt, wo ich zehn wunderbare und erfahrungsreiche Monate als Aupair in einer neuseeländischen Gastfamilie mit zwei Kindern verbrachte und den wahren Wert des Reisens auskostete.

Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen: meine Teilnahme an der Endrunde des Certamen Carolinum 2014, in der ich mein vorbereitetes Thema als Festvortrag präsentieren und den Prix Charlemagne entgegennehmen durfte. Ich kann mich noch sehr gut an mein selbst gewähltes Thema „Die Wirkung von Musik – nicht nur auf den Geist, sondern auch auf den Körper?“ erinnern. Schon damals habe ich zwei meiner Leidenschaften miteinander verbunden, nämlich die Medizin und die Musik. Von den „Noctes Atticae“ (deutsch: „Die attischen Nächte“) des Autors Aulus Gellius ausgehend, habe ich mich mit viel Freude an den alten Sprachen Griechisch und Latein auch mit dem Rhetoriker Quintilian, den Pythagoreern, Platon und anderen Philosophen beschäftigt. Schon in der Antike war man sich der Wirkung der Musik auf Körper und Geist durchaus bewusst. Auch heute stößt man auf die eine oder andere Forschungsarbeit wie die von Prof. Eckart Altenmüller, einem Arzt und Musiker, mit der Überschrift „Neurobiological Aspects of Neurologic Music Therapy“.